Die komplette Bildoptimierungs-Pipeline
Von übergroßen Originalen zu web-fertigen Assets — ein Schritt-für-Schritt-Workflow, der tatsächlich Bandbreite spart.
Der Designer übergibt ein 4000x3000 PNG direkt aus Photoshop. 8 MB. Die Webseite braucht es mit 800px Breite, unter 100 KB, idealerweise im WebP-Format.
Die Lücke zwischen "was man hat" und "was das Web braucht" — hier verschwenden die meisten Entwickler ihre Zeit. Lösen wir das mit einer ordentlichen Pipeline.
Schritt 1: Auf Zielmaße skalieren
Die größte Dateigrößenreduzierung kommt durch Skalierung. Ein 4000px breites Bild, das bei 800px angezeigt wird, verschwendet 96% seiner Pixel. Das ist keine Übertreibung — das ist Mathematik.
Für Retina-Displays: 2x der Anzeigegröße. Wenn das Bild bei 400px dargestellt wird, auf 800px skalieren. Nicht 4000px.
Typische Einsparung: 4000x3000 (8 MB) → 800x600 (400 KB). 95% Reduktion nur durch Skalierung.
Schritt 2: Komprimieren ohne sichtbaren Qualitätsverlust
Nach dem Skalieren: komprimieren. Bei Fotos ist JPEG-Qualität zwischen 75-85% der Sweet Spot — visuell identisch zum Original, deutlich kleinere Datei.
Der Trick ist, die Schwelle zu finden, ab der Kompressionsartefakte sichtbar werden. Bei den meisten Fotos liegt das bei etwa 70%. Darüber merkt niemand einen Unterschied — es sei denn, man zoomt hinein.
Typische Einsparung: 400 KB → 120 KB bei 80% Qualität. Die Augen der Nutzer bemerken nichts. Ihre Ladezeiten schon.
Schritt 3: In moderne Formate konvertieren
JPEG und PNG gibt es schon ewig. WebP liefert 25-35% kleinere Dateien bei gleicher Qualität. AVIF geht noch weiter.
Der praktische Ansatz:
- Fotos: Zu WebP (breite Unterstützung) oder AVIF (beste Kompression)
- Screenshots/Grafiken: WebP oder PNG je nach Transparenzbedarf
- Icons/Logos: Wenn möglich als SVG beibehalten
<picture>-Elemente nutzen, um WebP mit JPEG-Fallback zu liefern. Browser-Support für WebP liegt über 97%, aber Fallbacks kosten nichts.
Schritt 4: SVGs optimieren
SVG-Dateien aus Design-Tools enthalten viel Ballast — Editor-Metadaten, unnötige Dezimalstellen, redundante Gruppen, unsichtbare Elemente. Ein typisches Illustrator-SVG hat 30-50% Overhead.
Durch den SVG-Optimierer laufen lassen und die Dateigrößen fallen drastisch. Ein 15 KB Icon wird zu 5 KB. Bei 20 Icons auf der Seite spart man 200 KB Markup.
Schritt 5: Base64 für winzige Assets
Sehr kleine Bilder (unter 2 KB) — Icons, Aufzählungszeichen, kleine Dekorelemente — können als Base64 konvertiert und inline eingebettet werden. Das eliminiert einen HTTP-Request komplett.
Ein Request weniger > etwas größere HTML-Datei. Aber nur für kleine Bilder. Ein 50 KB Base64-String im CSS ist schlechter als ein separater Request.
Faustregel: Unter 2 KB? Base64. Über 2 KB? Separate Datei.
Echte Zahlen: Eine Fallstudie
Ausgangspunkt: 12 Produktbilder auf einer Kategorieseite.
| Phase | Gesamtgröße | Einsparung | |-------|-------------|------------| | Original-PNGs | 45 MB | — | | Nach Skalierung (800px) | 2,1 MB | 95,3% | | Nach Kompression (80%) | 680 KB | 98,5% | | Nach WebP-Konvertierung | 450 KB | 99,0% |
Von 45 MB auf 450 KB. Gleiche visuelle Qualität. Die Seite lädt in 1,2 Sekunden statt 12.
Die Pipeline in der Praxis
Bei einer Bilderserie wird der Workflow mechanisch:
- Skalieren — auf Zielmaße anpassen
- Komprimieren — mit passenden Qualitätseinstellungen
- Konvertieren — zu WebP/AVIF
- Optimieren — SVG-Assets
- Base64-Encoding — für winzige Icons
Nach dreimal Durchführen dauert es fünf Minuten für eine ganze Seite an Bildern.
Nicht vergessen: Lazy Loading
Optimierung hört nicht bei der Dateigröße auf. Bildern unterhalb des sichtbaren Bereichs loading="lazy" hinzufügen. Der Browser lädt sie erst, wenn der Nutzer in die Nähe scrollt. Kostenlose Performance.
Bildoptimierung ist nicht glamourös. Niemand schreibt begeistert darüber, JPEGs zu komprimieren. Aber es ist die einzelne wirkungsvollste Performance-Verbesserung, die die meisten Websites vornehmen können. Kleinere Bilder bedeuten schnellere Seiten, zufriedenere Nutzer und niedrigere Bandbreitenkosten. Jedes Bild durch die Pipeline schicken, bevor es in Produktion geht.